Zirkuläre Modelle

KOLB (1984): ERFAHRUNGSBASIERTER LERNZYKLUS

Das wohl bekannteste Modell ist der „Erfahrungsbasierte Lernzyklus“ von Kolb (1984). Der Lernzyklus beginnt mit einer praktischen Erfahrung, bei der ohne formale Vorkenntnisse eine Situation erlebt beziehungsweise eine Aufgabe gestellt wird (Concrete Experience), deren Bewältigung im Nachgang reflektiert wird, um Ursachen und Zusammenhänge aufzudecken (Reflective Observation). Im nächsten Schritt werden aus der Erfahrung generalisierte Prinzipen abgeleitet, die sich auch auf neue Situationen übertragen lassen (Abstract Conceptualization). Mit der Erprobung dieser Generalisierungen in einer neuen Situation, werden neue Erfahrungen geschaffen und der Lernzyklus beginnt von neuem (Active Experimentation). Aufgrund der Popularität dieses Konzepts wurde Kolbs „Erfahrungsbasierter Lernzyklus“ mehrfach empirisch untersucht und dient anderen Modellen häufig als Grundlage (siehe z.B. den „5E Learning Cycle“,  das „4MAT“-Modell, den „Arbeitsbegleitenden Lernzyklus“ und das „Ripples on a Pond“-Modell im Folgenden).


BYBEE ET AL: (1989): 5E LEARNING CYCLE

Der „5E LEARNING CYCLE„5E Learning Cycle“ von Bybee et al. (1989) entwickelt den Lernprozess anhand von fünf Schritten. Am Anfang des „5E Learning Cycle“ steht die Einführung bezüglich eines Objekts, eines Ereignisses oder einer bestimmten Fragestellungen (Engagement), die dazu dient die Lernenden „abzuholen“. Hiernach folgt die Untersuchung des ausgewählten Objekts/ Ereignisses/ Fragstellung (Exploration), welche im Nachgang von den Lernenden analysiert wird (Explanation). Das so entstandene Wissen wird nachfolgend auf andere Kontexte angewendet, was auf ein vertieftes Verständnis der Lernenden abzielt (Elaboration). Der Lernprozess endet mit der Selbsteinschätzung der Lernenden hinsichtlich ihres Wissens, Fähigkeiten und ihrem Können (Evaluation). Empirische Studien zum „5E Learning Cycle“ verweisen auf die Effektivität des Lernmodells (z.B. Yalçin & Bayrakçeken, 2010).


PFEIFFER & BALLEW (1988). THE EXPERIENTIAL LERANING CYCLE

Beim „Experiential Learning Cycle“ von Pfeiffer & Ballew (1988) setzt eine gezielt herbeigeführte Erfahrung den Startpunkt des Lernprozesses (Experiencing). Dem gemeinsamen Austausch über das Erlebte (Publishing) folgt die Analyse der gemeinsamen Erfahrung (Processing). In der Phase der Generalisierung werden die Erfahrungen diskutiert und allgemeine Regelmäßigkeiten abgeleitet (Generalizing). Im letzten Schritt werden die gewonnenen Kenntnisse auf eine reale Situation angewendet (Applying). Bei diesem Modell spielen die Emotionen der Lernenden einen besondere Rolle. Empirische Überprüfungen stehen bisher aus.


EISENKRAFT (2003). 7E LEARNING CYCLE

Der „7E Learning Cycle“ von Eisenkraft (2003) stellt eine Erweiterung des „5E Learning Cycle“ von Bybee et al. (1989) um die Dimensionen Elicit, der Aktivierung des Vorwissens und Extend, des Transfer des Gelernten auf neue Situationen, dar. Dementsprechend setzt sich der „7E Learning Cycle“ aus der Aktivierung des Vorwissens (Elicit), der gegenstandsbezogenen Einführung (Engage), der Untersuchung des Lerngegenstands (Explore), deren Analyse (Explain) sowie der Anwendung auf andere Kontexte (Elaborate), der Evaluation durch die Lernenden (Evaluate) und dem Transfer des Gelernten auf neue Situationen (Extend) zusammen. Die Wirksamkeit des Modells wurde empirisch bestätigt (z.B. Siribunnam & Tayraukham, 2009).


MC CARTHY & MC CARTHY (2006): 4MAT-MODELL

Das „4MAT“ Modell basiert auf Kolbs Erfahrungsbasierten Lernzyklus und der Idee von unterschiedlich arbeitenden Gehirnhemisphären. Die Grundannahmen des „4MAT“ Modells sind, a) dass Individuen grundsätzlich unterschiedlich lernen, b) dass beim Lernen sowohl die linke als auch die rechte Gehirnhälfte aktiviert werden sollen und c) dass die Prozesse des „Denkens“ und „Tuns“ im Lernprozess zusammenwirken sollen. Der Lernprozess beginnt dementsprechend mit der Generierung von Aufmerksamkeit (Engage), dem Aufdecken der neuen Informationen (Share), der Erprobung (Practice) und der Anwendung (Perform) des neuen Wissens bzw. der neuen Fähigkeiten. Empirische Studien verweisen auf eine hohe Wirksamkeit dieses Modells (z.B. Uyangör, 2012).


BRALL (2010): ARBEITSBEGLEITENDER LERNZYKLUS

Brall (2010) versteht das Lernen im Arbeitsprozess als einen doppelten Lernzyklus, der erfahrungsreflektierendes und handlungsgenerierendes Lernen kombiniert. Auf Basis einer Erfahrung erfolgt eine Reflexion dieser Erfahrung, welche in einem erfahrungsbasierten Modell der Wirklichkeit mündet, das wiederum zu neuen Erfahrungen führt. Gleichzeitig erfolgt während des Erfahrungsprozesses stets die bewusste Anwendung bestimmter Handlungsmuster, die ebenfalls reflektiert werden und zu generalisierten Handlungsmodellen entwickelt werden, die zukünftig wieder zur bewussten Handlungen bei neuen Erfahrungen führen. Eine breite empirische Analyse des Konzepts steht derzeit noch aus.

November 2017
MoDiMiDoFrSaSo
44303112345
456789101112
4613141516171819
4720212223242526
4827282930123