Simultane Modelle

LECLERQ & POUMAY (2005): 8 LEARNING EVENTS MODEL

Das „8 Learning Events Model“ von Leclerq & Poumay (2005) basiert auf der Annahme, dass es acht spezifische Wege zur Wissensvermittlung gibt, die sich jeweils aus der Funktion des Lehrenden bei gleichzeitiger Aktivität des Lernenden zusammensetzen. Ein Weg zur Wissensvermittlung besteht im Lernen durch Beobachtung und Imitation z.B. durch Rollenspiele oder Simulationen (Imitates), wobei die Lehrperson als Vorbild dient (Modelling) und die Lernenden das gezeigte Verhalten imitieren (Imitation). Eine weitere Möglichkeit zur Wissensvermittlung ist die traditionelle didaktische Vermittlung von Wissen in Form von Vorlesungen, Vorträgen und Leseempfehlungen (Receives), bei der die Lehrperson die Inhaltsvermittlung übernimmt (Transmission) und die Lernenden aktiv zuhören (Reception). Bei der persönlichen Erschließung des Lernstoffs durch den Lernenden durch Recherche oder die gezielte Auswertung von Informationen (Explores), untersuchen die Lernenden neue Sachverhalte (Exploration), während die Lehrperson diesen Prozess dokumentiert (Documenting). Manipulieren die Lernenden gezielt Testumgebungen um persönliche Hypothesen zu testen (Experimentation), wie dies zum Beispiel in Laboren oder durch Computersimulationen der Fall ist (Experiments), hält der Lehrende sich vorerst zurück (Reactivity). Wird die Neuentwicklung z.B. eines Essays oder eines Projektes angestrebt (Creates), werden die Lernenden kreativ, während die Lehrperson sie in diesem Prozess aktiv unterstützt (Confortation). Die Anwendung und Überprüfung einer Theorie z.B. durch Prüfungen und Übungen (Practice), erfordert von den Lernenden die Erprobung und Überprüfung ihres Wissens (Exercising) und von der Lehrperson Anweisungen und Unterstützung (Guidance). Beim Lernen durch soziale Interaktion, kollaboratives Lernen und Diskussionen, diskutieren die Lernenden über den Lerninhalt (Debate), wobei die Lehrperson die Diskussion weiter angeregt (Animation). Ein weiterer Weg zur Wissensvermittlung stellt das Metalernen dar (Meta-learns), bei dem Lernenden sich selbst reflektieren und hierbei von der Lehrperson unterstützt werden (Co-Reflexion). Laut Leclerq & Poumay müssen nicht alle acht Komponenten des Repertoires in einem Lernprozess umgesetzt werden, dennoch fördert die methodische Vielfalt den Lernerfolg. Auch hier stehen empirische Untersuchungen noch aus.


RACE (2010): RIPPLES ON A POND-MODELL

Race (2010) versteht Lernen nicht als einen Prozess, bei dem unterschiedliche Phasen durchlaufen werden, sondern vielmehr muss der Lernprozess derart gestaltet sein, dass verschiedene Lernprämissen gleichzeitig berücksichtigt werden. Zu diesen Prämissen gehören das Wecken von Neugierde und die verdeutlichte Notwendigkeit des Lerninhalts (Wanting/ Needing), Experimente und praktische Übungen im Trial-and-Error-Prinzip (Doing), die Einarbeitung in Konzepte, Theorien und Modelle (Making sense), kontinuierliches konstruktives Feedback durch Mitlernende und Experten (Feedback), der Austausch über das Gelernte (Coaching/ Explaining/ Teaching) und die Überprüfung des Leistungsstands durch Mitlernende, Experten oder aber durch sich selbst (Assessment). Laut Race muss jeder Lernprozess alle Prämissen erfüllen, wobei gilt, dass sobald eine dieser Prämissen nicht erfüllt wird, die nachfolgenden Prämissen ebenfalls nicht erfüllt werden können. Race vergleicht dieses Lernprozessverständnis mit einem Wellengang (daher der Name des Modells „Ripples on a Pond“): Wird ein Stein ins Wasser geworfen, schlägt er Wellen, die immer weiter auslaufen und neue Wellen anstoßen. Ist eine der Wellen zu schwach, läuft sie aus ohne eine weitere Welle anzustoßen. Obwohl einige nicht-wissenschaftliche Anwendungsberichte zu diesem Modell existieren, fehlen bisher empirische Studien zur Wirksamkeit des Modells.

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